Gestern habe ich einen Text geschrieben über “Leben als Performance”, über social media und Identität und Privatsphäre und den Verlust von unserer Freiheit.
Und heute? Ist er nicht mehr stimmig.
Ich habe das Gefühl mich aufzuregen über unwichtige Themen. Themen, die mir nur wichtig erscheinen, weil sie auf / wegen social media wichtig sind ... und ich habe den Eindruck mich darüber aufregen ist in eine Falle tappen.
Ja, ich empfinde insta als eine Ansammlung von gleichgeschalteter, langweiliger Mittelmäßigkeit, die uns ablenkt und von Denken und Handeln abhält und uns Alle zu Objekten macht.
Und, was kann ich dagegen tun?
Nichts.
Doch:
Mich weigern mich am Altar der digitalen Sichtbarkeit zu opfern.
Und meine Kreativität für Projekte nutzen, die meine sind, statt mich für irgendwelchen “Algos” zu verbiegen.
und ..
Stattdessen ...
Bücher lesen und denken und Zusammenhänge erkennen, mich freuen über Synchronizität und Ideen die scheinbar einfach vom Himmel fallen.
Simone de Beauvoir lesen und Laura Perls und etwas über unsere Vergänglichkeit und den Drang zu leben verstehen. Das Leben zu fühlen wagen. Nicht trotz unserer Endlichkeit. Sondern wegen unserer Endlichkeit.
Kreativität und Projekte als unsere Gabe und unsere raison d´être: das nochmal ganz anders verstehen.
Blumen einpflanzen auf meinem Balkon. Und mich darüber freuen, dass die Blumen, die schon halb tot aussahen, wieder zum Leben zurückgefunden haben und mich erfreuen an ihrem kurzen bunten schönen Leben.
Lächeln vor Freude an diesem verrückten Leben wirklich teilhaben zu können.
Gänsehaut bekommen, weil ich mich spüre und mich mag und gerade mal keine Definition von meiner Identität brauche, weil ich jetzt bin wie ich bin und das ok ist.
Und sowieso immer im Wandel ist.
Mein erkältet sein genießen und das erste Mal seit Jahren damit sein können. Mich versorgen mit Schlaf und gutem Essen. Und wissen, dass ich für mich sorgen kann. Dass ich alleine entscheide, wenn mir etwas zu viel, zu anstrengend und nicht für mich ist. Dass es eine fucking Herausforderung ist nicht nur die Verantwortung dafür zu tragen, sondern auch die Freiheit auszuhalten.
Merken, dass ich durch die Dunkelheit gegangen bin, viele Jahre lang und nicht aufgegeben habe. Verstehen, wie das, auf einem ganz anderen level, ein kreativer Prozess ist.
Und: dass ich langsam wieder ins Licht komme, dass ich anfange mir eine Stütze zu sein, dass ich verdammt nochmal nicht nur überlebt habe, sondern lebe.
Und, dass ich Lust verspüre, trotz und mit aller Vergänglichkeit, zu erschaffen, zu sein, zu leben.
Und, dass ich keine Ahnung habe was kommen wird … und das erste Mal seit Jahren nicht zurück rudere, sondern mich in die Ungewissheit der multiplen Möglichkeiten begebe.
das Ding, was man Privatsphäre nannte...
Und: merken, dass ich meine Lieben schützen möchte vor der Aufmerksamkeit unbekannter Menschen, dass, ich das, was mir lieb und wichtig ist schützen mag. Aus mich schützen. In dem ich nicht Alles öffentlich mache. Aus Selbstrespekt und Fürsorge.
Ich muss oft an den Eintrag von Virginia Woolf in eines ihrer Diaries denken, wo sie schreibt, dass sie um ihre Privatsphäre bangt, jetzt wo ein paar Menschen ein Auto hätten und einfach so zu ihnen aufs Land kommen könnten …
Was sie wohl aus unseren Zeiten gemacht hätte ….
Ich sehe mein Handy mittlerweile immer mehr als ein trojanisches Pferd… …
darüber mehr ein anderes Mal
Dankbarkeit
Woran ich mich immer wieder erinnere:
meine Dankbarkeit für das, was ist, erlaubt mir erst, das, was ist überhaupt zu sehen, zu genießen und zu leben. Statt Alles, was ist, als selbstverständlich anzusehen und darin nie eine Zufriedenheit zu erlangen.
Bis bald!
Anne
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