Ich weiß es und ich weiß es nicht genau.
Als ich letzte Woche auf dem Weg zu meinem Mini-Urlaub nach Marseille in Baden-Baden aus dem Zug steigen musste, weil sich ein Kümmelstückchen in meine Luftröhre verirrt hatte und nicht raus wollte, und ich den Luxus hatte, in der Notaufnahme fit genug zu sein, über mein Leben nachzudenken, stellte ich erschrocken fest, dass sich die letzten Monate meines Lebens sehr leer anfühlten.
Und das, an was ich mich erinnerte, war hauptsächlich sehr schmerzvoll.
Und mir wurde schmerzhaft klar, dass ich mich nicht gut um mich kümmere, dass etwas in mir mich hindert, ich mich verhindere, ein gutes Leben zu leben.
Welches Introjekt, welcher Glaubenssatz, oder wie ihr es auch nennen wollt, ist so stark in mir verwurzelt, dass ich Freude und Leichtigkeit und Erfolg immer mit Argwohn begegne?
Dass ich so wenig weiß, wie es ist, gut für mich zu sorgen, für mich einzustehen, mir im Leben meinen Platz zu schaffen und mir zu nehmen, was ich brauche? Dabei wird mir so viel geschenkt. Nur habe ich die Tendenz, es dann doch ein bisschen anders zu wollen und nicht annehmen zu können.
Ich kenne Leid so gut, dass ich es immer wieder aufsuche, um mich zuhause zu fühlen.
Kennt ihr das?
Dass ihr immer wieder auf die alten Wege abbiegt, weil es die sind, die sich bekannt und dadurch weniger bedrohlich anfühlen?
Auch wenn sie genau das sind, nämlich bedrohlich. Oder gefährlich. Oder auch “nur” unbefriedigend?
Im Krankenhaus habe ich dann plötzlich so eine Wut gespürt und so eine Lebenslust: eine Lebenswut!
Ein “es reicht”.
Die Tage danach in Marseille waren dann voller Inspiration, Ideen, Lebenslust und auch einer Trauer über meine “verlorene” Zeit.
Wieder in Berlin fällt es mir schwer, daran anzuknüpfen, eine Trägheit und Schwere, die ich hier immer spüre, legt sich wieder über mich …
Und doch habe ich mir vorgenommen: dieses Mal nicht!
Dieses Mal schlafe ich, wenn ich müde bin, statt in einer Starre mit Handy in der Hand zu verharren.
Dieses Mal sorge ich für mich, auch wenn ich nicht alles im Griff habe und ich die Sicherheit, die ich mir so herbeisehne, nie haben kann.
Dieses Mal bleibe ich beweglich und nehme das an, was mir gegeben wird …
Wie geht es euch diesen Sommer?
Ist es eine Zeit der Leichtigkeit oder eher eine Zeit der Leere, oder vielleicht der Nachdenklichkeit?
Eine Zeit, neue Pläne zu schmieden für den Rest des Jahres?
Ich finde den Sommer dafür viel besser geeignet als Ende Dezember oder Anfang Januar …
Falls ihr zu der Pläne-machen-Fraktion gehört und Interesse habt, oder jemanden kennt, der Interesse haben könnte, an meinem neuen Kompaktkurs, dann ist hier die Ausschreibung:
Kompaktkurs „Ausdrücken statt Ausagieren" |
|
Kampfkunst-Elemente sicher in die Arbeit mit Menschen integrieren
Für therapeutische, pädagogische und soziale Berufe – nonverbale Methoden für Ausdruck und Kommunikation.
|
Viele Emotionen lassen sich nicht in Worte fassen – sie wollen durch den Körper. Ohne einen sicheren Rahmen werden sie oft ausagiert statt ausgedrückt. Dieser Workshop zeigt dir, wie du Kampfkunst-Elemente wie gezielte Tritte gegen die Pratze, Atem- und Grounding-Übungen, verantwortungsvoll in deine Arbeit einbindest, um Menschen einen sicheren Weg zu geben, Emotionen und "wortlose" Erfahrungen auszudrücken.
Du brauchst dafür keine Kampfkunsterfahrung, nur eine gewisse Fähigkeit zur Selbstreflexion. Wir arbeiten mit klaren Strukturen, um Überforderung oder Retraumatisierung zu vermeiden.
Für wen? Für alle, die einzeln oder in Gruppensettings mit Menschen arbeiten und Elemente der Kampfkunst in ihre Praxis integrieren möchten : Therapeut*innen, Berater*innen, Coaches, Pädagog*innen und weitere soziale Berufe.
Was dich erwartet
- Körperliche Praxis: Tritte, Fauststöße, Stimme einsetzen, den Boden unter den Füßen spüren, die eigene Mitte in Bewegung wahrnehmen, Atmung
- Selbsterfahrung: das eigene Körpergefühl stärken, eigene Kraft kennenlernen und die eigene Reaktion auf körperliche Kraft erspüren
- Reflexion & Austausch: verbaler Austausch untereinander, um Erfahrenes einzuordnen und in die eigene Arbeit zu übersetzen
- Spiele, Partner*innenübungen und mehr
Rahmendaten
- 7 Termine à 75 Minuten
- Start: ab dem 14.9.26, montags 20:00–21:15 Uhr
- Ort: „Aziza tanzt", Milastr. 4, Berlin Prenzlauer Berg
- Kosten: € 250,– pro Person
- Teilnehmer*innenzahl: min. 5, max. 10
Anmeldung
Schreib mir einfach eine kurze Mail an annemichaux@posteo,net mit deinem Namen und Beruf. Ich melde mich dann mit den weiteren Details zurück. Bei Bedarf/auf Wunsch biete ich vorab auch ein kurzes Kennenlerngespräch an.
Über die Kursleitung
Anne Michaux ist Gestalttherapeutische Beraterin und Coach in eigener Praxis in Berlin Prenzlauer Berg sowie 3. Dan Taekwondo und Miteigentümerin der Kampfkunstschule „Chohwa" für Frauen und Mädchen seit 2010. In diesem Kurs verbindet sie ihre gestalttherapeutische Praxis mit ihrer langjährigen Kampfkunsterfahrung.